Vertrauen statt Dominanz

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30.03.2021

 

Auf dem Bild seht ihr unseren Hundebub Cudi mit unserer Kaninchendame Bruni. Nach drei Monaten zusammenleben können all unsere Fellkinder gemeinsam im Garten sein, ohne dass einer der drei irgendwie eingeschränkt, angebunden oder eingesperrt wird. Was denkt ihr, wie kam es dazu? 

Wir haben von Anfang an auf Vertrauen, Liebe, Entspannung/Pausen und Konsequenz in unserem Verhalten gebaut und fahren damit bisher unfassbar gut. Zu den gemeinsamen Gartenstunden, sind unsere Hunde&Mensch Begegnungen entspannt, Besuch immer willkommen und Spaziergänge ohne Leine an der Tagesordnung (übrigens können wir trotzdem prima zusammen an der Leine gehen). 

 

… so vieles in der Tier-Mensch Beziehung basiert für mich auf logischem Menschenverstand, den die Gesellschaft mit ihren Ansichten irgendwie hervorragend abschalten kann. 

Leider haben oftmals die Menschen kein Vertrauen in ihr Tier und trauen ihm damit auch nichts zu... wie sollen sich die Tiere denn dann selbst etwas zutrauen? 

Unsere Tiere leiden dadurch unter Stress und sind permanent auf hab-Acht-Stellung. Logisch, denn sie warten ja die ganze Zeit auf ein Kommando, eine Reglementierung oder ein Lob bzw. eine Bestrafung. Durch diese Spannung passieren Fehler, die eigentlich absolut unnötig sind... und vor allem aber, vereinnahmt diese Spannung die Tiere so sehr, dass sie gar nicht in der Lage sind einem zu zuhören... Warum fällt es uns Menschen so schwer, unseren Tieren Vertrauen zu schenken? Vor allem auch Vertrauen in ihr eigenes Können und nicht in das anerzogene Folgeleisten? 

 

Vielleicht „haben“ sehr viele einen Hund, weil sie etwas brauchen was sie beherrschen können, etwas was ihnen folgen “muss”? Ich lebe lieber mit einem Partner Seite an Seite... 

Die Variante des Besitzens ist die, die die Gesellschaft prägt. Und ja leider auch von unzähligen Trainern vermittelt wird. “Sei arrogant zu deinem Hund”; “Er muss unterwürfig sein, sonst funktioniert gar nichts”; “Zeig deinem Pferd mal, wer der Boss ist” 

 

Ich frage mich dann, was zur Hölle haben Regeln mit Unterwürfigkeit zu tun? Mal ganz ehrlich, welcher halbwegs normale Mensch würde einem anderen Menschen folgen, der ihn so behandelt? 

Damit kommen wir zurück auf meinen Ansatz des Verstandes… 

 

Mein persönlicher Ansatz ist folgender: Prinzipiell sollte alles auf einer partnerschaftlichen Ebene laufen. Für mich haben Arroganz und Dominanz gegenüber einem Hund (jedem Tier) nichts verloren. Genauso haben sinnlose Reglemente, einfach nur damit man der Boss ist, nichts in der Erziehung verloren. Das Ziel ist einen verlässlichen Hund an seiner Seite zu haben, der in Situationen, die es bedürfen auf dich schaut und dir zuhört. Diese Beziehung erhalte ich durch Vertrauen und Respekt. Denn genau dann orientiert sich der Hund auch an dir, wenn er sich erschrickt oder dergleichen. Ein dominierter Hund wird das nicht tun, weil er angsterfüllt nicht deine Hilfe sucht. 

 

Am Beispiel Leinenführigkeit, den Sinn dahinter kann man in meinen Augen auf fast alles im Zusammenleben mit einem Hund übertragen. Mit Cudi haben wir „bei uns laufen“ ohne Leine im Wald geübt, Cudi ist generell die ersten 2-3 Wochen bei uns nie an der Leine gewesen. Die Theorie dahinter: Welpen bleiben bei ihrem Rudel. Immer!!! Macht man sie zu früh an die Leine verlieren sie diesen Instinkt, da sie durch die Leine begrenzt werden und nicht mehr darauf achten, wo ihr Rudel ist. 

Genau in dieser Zeit hat er auch erfahren können, wenn jemand/etwas kommt, kommt er zu uns und wartet neben uns. Wenn wir den anderen Hund oder Mensch als sicher empfinden kann er gerne hingehen und schauen, spielen oder auch einfach weitergehen. Er hat gar keinen Grund zu ziehen, denn er weiß, er kann sich auf uns verlassen und kann gerne auch Bekanntschaften schließen, wenn dies für alle Beteiligten okay ist. Ich denke, wenn es dem Hund wichtig ist, einen Zentimeter vor dir zu laufen, dann ist das für mich okay. Er muss nicht hinter mir oder mit seinem Kopf an meinem Knie laufen, nur weil mal jemand definiert hat, wenn er vor dir läuft, dominiert dein Hund dich. Ist das so? Wichtig ist er bleibt bei mir. Ob nun einen Zentimeter vor/neben/oder hinter mir spielt für mich keine Rolle. Wichtig ist, beide wissen, so funktioniert es. 

 

Eine letzte Sache möchte ich noch ergänzen. Gefühl und die eigene Intuition, wirklich achtsam beobachten, zuhören und probieren. Gemeinsam Regeln definieren die für einen als Familie gelten. 

 

Wie sieht die Partnerschaft mit deinem Tier im Alltag aus?